‚Ablage B‘ – Zwischen Wäschechaos und Weihnachtsstress

Ich weiß nicht viel über Romantik. All mein Wissen habe ich aus Filmen, Büchern. Ich folge keiner Linie; mein Leben verläuft im Zickzack. Hier lang, da lang, Stillstand. Wie ein Hase, der Schüssen ausweicht. Der Jäger: Das Leben.
Ich will keine Klischees bedienen, doch überkommene Vorstellungen halten den Geist lebendig. Deswegen sind Filme nahezu perfekt, denn sie treffen immer irgendeine Form der Wahrheit.
Immerzu verknüpfen wir all unsere Inputs, um ein stimmiges Gesamtbild zu erhalten. Er ist so, sie ist so. Ich denke, also bin ich. Ich bin, also denke ich. Ich bin so, denke ich. Ich bin, denke ich. Ich bin. Ich denke. Ich.
Was ist mit uns? Wie war dein Tag? Hast du an die Wäsche gedacht?
Handgemenge.
Wie können wir Romantik leben, wenn unser Tag derart getaktet ist? Acht Stunden Arbeit, zwei Stunden Autofahrt, eine Stunde einkaufen, acht Stunden schlafen. Jede einzelne Tätigkeit lässt sich in Sekunden aufdröseln und wir wären überrascht, wie viel Zeit wir wirklich haben. Doch wo ist die Freizeit? Alles was ich sehe, ist Arbeit. Essen kochen. Die Wäsche machen.
Ein Stöhnen geht durch das Wohnzimmer. Diese gottverdammte Wäsche. Die Waschmaschine ist schnell eingeschaltet. Doch man muss sie aufhängen, abhängen, bügeln und einsortieren. Ein Schritt nach dem anderen. Alles Zeitfresser?
Abends übermüdet auf das Sofa fallen. Jetzt Netflix. Oder Musik hören. Essen. Aufs Handy starren und das alles zeitgleich. Eben möglichst viele Reize in kurzer Zeit. Schließlich muss man nachholen, was man verpasst hat. Beim Arbeiten, dem Endboss aller Zeitfresser.
Dahin gleiten die Tage, Wochen, Jahreszeiten und Dinge, von denen du geglaubt hast, sie wären selbstverständlich. Freizeit. Freunde. Romantik. Zwischen ungleichen Socken mit Löchern und der nächsten unvollständigen Lieferung ‚hellofresh‘ bleibt eben nicht viel.
Ich meine auch nicht die Romantik zwischen zwei Menschen generell, sondern vor allem die, die man früher mit sich selbst geteilt hat. Gut zu sich sein, das Geld zum Fenster raus werfen, weil einem danach ist. Rauchverhangene Freitagabende mit deiner Lieblingsmusik und einem Whiskey Cola; entbunden von jeder Form der Verantwortung. Am nächsten Tag nichts weiter geplant außer schlafen.
Heute ist der Samstag ein Begriff, den ich mit Staubsaugen verbinde. Alles, was unter der Woche liegen geblieben ist, holt mich an einem strahlend schönen Samstagmorgen ein. Die Wäsche. Die, die ich noch bügeln muss und die, die schon wieder fällig ist. Ein Teufelskreis, den ich auf keinen Fall noch länger aufschieben kann.
Zeit mit anderen sind Termine, die es akribisch zu planen gilt. Am besten verbindet man das Angenehme mit dem Nützlichen. Auf dem Weg zu Mutti schnell noch einkaufen. Danach zur Post und ups … es ist schon wieder Weihnachten. Eine besinnliche Zeit, die in 24 kleinen Türchen gemessen wird. Es ist da, was gestern noch so weit weg erschien.
Und plötzlich frage ich mich: Schaffe ich das dieses Jahr noch? Und was denn überhaupt? Es ist wie das Ende eines weiteren Kapitels, das man gar nicht hatte schreiben wollen. 10, 9, 8.
Wie würdest du dein Jahr mit nur einem einzigen Titel zusammenfassen?
‚Fast & furios‘
Es ging schnell herum, all meine Langzeitziele hatten sich erfüllt (endlich) und die Frage hinterlassen, was als Nächstes folgen mag. Ein neues Ziel muss her, das nichts mit Wäsche zu tun hat. Und wenn, dann mit ein wenig mehr Romantik. Alltagsromantik. Dinner for one. #gönndir. Vielleicht revolutioniere ich den Samstag und erkläre ihn zum romantischsten Tag der Woche. Mach was für dich. Mach es. Und dann mach etwas für die anderen.  7, 6, 5. Vermutlich wird der Samstag dennoch immer der Tag bleiben, den ich als ‚Ablage B‘ bezeichne, so wie wir alle diesen einen Tag in der Woche haben, an dem wir all das nachholen, was liegen geblieben ist.
So wie auch das berühmte Weihnachten; das unvermeidliche Einholen aller Besuche und Anrufe, die man das ganze Jahr über verschoben hat, nur eben mit Glitzer, Glühwein und Tannenzweigenduft. Ach ja und die Aussicht auf vermeintliche Freizeit, ganz ohne die lästige Wäsche, die wir in die Abstellkammer verbannen, bis an Silvester die Korken knallen und die Einsicht naht: Es gibt eben Dinge, die sich nie ändern werden. Und diese Gewissheit beruhigt auch irgendwie. 4, 3, 1.
In diesem Sinne: Frohe Feiertage und ein gesundes neues Jahr (sobald der Kater vorüber ist).

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