Und am Ende zählt es doch – ein Abschied: Chester Bennington. Von Hybrid Theory bis One more Light, ich sage Danke.

Die Nachricht traf mich wirklich sehr, denn ich verehre sie, diese Band. Natürlich löst der Tod von Chester Bennington einiges aus, denn er war ein fantastischer Sänger einer Band, die mich begleitet hat, seit ich dreizehn war. Aber auch, dass Depressionen kein Phänomen sind, sondern eine Krankheit. Sie kann jeden treffen, denn Krankheiten machen keinen Unterschied. Das ist die einzige Gleichberechtigung auf dieser Welt. Mir tut es deshalb so weh, denn Chester war mein Held.
Ich werde das nie vergessen, der erste Song, den ich wirklich verstanden habe, war
Breaking the Habit. Meteora war – nein ist – grandios und wird es für mich auch immer sein. Über die Jahre hat die Musik sich verändert, ich war hin und her gerissen. Natürlich habe ich ihn vermisst, diesen alten Sound. Hätten sie sich nicht weiterentwickelt, würde man sie dann noch so kennen, wie sie sind? Oder waren? Wie geht es jetzt weiter?
Nur eines, das ist geblieben. Eindringliche Lyrics, die Millionen da draußen zutiefst berührt haben. Es geht um den Schmerz, den man tief in sich trägt und den ich auch kenne, so wie viele andere. Die 2000er wären ohne diese sechs Jungs nicht dasselbe gewesen. Allen Vorwürfen zum Trotz, dass es die letzten zehn Jahre nur noch um den Erfolg und das Geld gegangen sei, halte ich daran fest: Diese Band ist
authentisch, in jeder Hinsicht. Ich habe sie einmal live gesehen, das war vor sieben Jahren und es war ein Traum, den ich mir erfüllt habe. Eigentlich wollte ich wieder auf ein Konzert gehen, mir fehlte die Zeit und wie so oft das Geld. Irgendwann, dachte ich.
Wenn ich traurig bin, höre ich
Minutes to Midnight. Wenn ich mich wieder wie ein Teenager fühlen will, dann Meteora. Und wenn ich mich motivieren will, dann Hybrid Theory. Das war auch der erste (eigentlich zweite) Bandname, denn Linkin Park wollten sich nie in irgendein Genre packen lassen, ganz im Gegenteil. Sie haben gemacht, worauf sie Lust hatten und das mit großem Erfolg. Das bewundere ich, es inspirierte mich auf so vielen Ebenen. Dann erschien One more Light und es klang, als wäre es das letzte Album der Band. Ein letztes Licht.
Ich habe das nie verstanden, um einen Musiker zu trauern, den man doch gar nicht kennt. Aber als ich die traurige Gewissheit hatte, da war es mir, als wäre nun plötzlich eine lange Ära einfach so zu Ende. Es ist das Eine, ihre Musik nicht mehr zu mögen. Das Andere ist es, zu wissen, dass Chester den Schmerz, über den er all die Jahre gesungen, geschrien und Gänsehaut verbreitet hat, nicht mehr länger ausgehalten hat. Diese Welt kotze ihn an, hat er gesagt.

ICH HÄTTE BLEIBEN SOLLEN, GAB ES ZEICHEN, DIE ICH ÜBERSAH?
KANN ICH DIR HELFEN, DASS DEINE SCHMERZEN AUFHÖREN?
WIR SAGEN BRILLIANZ, ALS DIE WELT SCHLIEF
ES GIBT DINGE, DIE KÖNNEN WIR HABEN, JEDOCH NICHT BEHALTEN.

Das letzte Album wurde CHRIS CORNELL gewidmet, der im Mai selbst Suizid begangen hat. Chester sang HALLELUJAH auf der Beerdigung seines engen Freundes. Gestern hätte Chris seinen 53. Geburstag gefeiert. Chester Bennington wurde 41 Jahre alt.
Ich dachte, Nein, er hat da draußen so vielen Hoffnungen gemacht, genau wie mir. Wenn Chester es schafft, mit seinen Dämonen zu leben, dann wir doch auch? Er hinterlässt sechs Kinder. Viele Stimmen sind laut geworden, sagten, es sei „feige“, sich „zu verpissen“ und er sei ein „beschissenes Arschloch“. Vielleicht mag es einem so vor kommen.
Aber wer selbst nie an Depressionen gelitten hat, oder an einer Anhängigkeit, mit der man sein ganzes Leben lang zu kämpfen hat, der kann das nicht verstehen. Es ist eine Krankheit, die es in jedem Fall ernstzunehmen gilt. Natürlich ist es egoistisch, sich zu „verpissen“, aber denkt das wirklich jemand, dass man sich aus freien Stücken das Leben nimmt? „Er hatte Geld und war berühmt, was soll denn das“, Aussagen wie diese kommen von Menschen, die diese Band nicht verstanden haben. Die generell nichts verstanden haben. Geld und Ruhm ändern nichts an dem, was du tief in deinem Innersten fühlst, bist, liebst und für was du stehst. Ich dachte auch immer, es muss sich das, das und das ändern, dann – und nur dann – werde ich glücklich sein. Falsch, so läuft das leider nicht.
Auf einmal ergeben die Lyrics alle einen anderen, tieferen Sinn. Millionen haben gestern zuhause ihre Anlage aufgedreht und genau hingehört. Ich auch. Das macht es noch trauriger und mir auch irgendwie Angst. Gibt es denn gar keinen Weg da raus? Es macht mich wirklich traurig, auch wenn es vielleicht verrückt klingt, aber für mich fühlt es sich so an, als wäre ein guter Freund von uns gegangen. Das hat auch nichts mit Fan-Kult zu tun. Wenn einen die Musik so lange begleitet hat, bei mir sind es immerhin fünzehn Jahre, dann tut das weh. Sehr weh.

WEN KÜMMERT ES, WENN EIN WEITERES LICHT AUSGEHT? IN EINEM HIMMEL AUS MILLIONEN STERNEN… NUN, MICH KÜMMERT ES.

Und das tut es wirklich. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, vor allem bei seinen sechs Kindern.

„Die Erinnerungen reißen dir den Boden unter den Füßen weg
In der Küche, steht ein Stuhl mehr als du brauchst
Du bist wütend, und das solltest du sein, denn es ist nicht gerecht
Nur weil du es nicht sehen kannst, heißt es nicht, dass es nicht da ist“

Meine Gedanken sind bei der Band, der Verlust kam plötzlich, erst am Mittwoch machten Fake-News seines Tods die Runde, nun ist es leider traurige Gewissheit. Wir nehmen Abschied von einem großartigen Künstler, der viel mehr, als nur das gewesen ist. Ein Freund, ein Vater, ein Ehemann, eine Inspiration – vielleicht meine Größte. Ich bedanke mich für fünfzehn unglaubliche Jahre. Für Tränen, die getröstet wurden. Für die Musik, die gelaufen ist, während in meinen turbulenten Zeiten auch Vasen gegen Wände geflogen sind. Für Lachen, mit meinen Freunden. Für die Gewissheit, dass es auch weitergehen wird, ganz egal, wie dunkel die Nacht ist. Und das wird es. Ich sage Danke, für die schönen Momente, meine erste Gänsehaut von vielen, als ich Shadow of the Day zum ersten Mal gehört habe. Die Sonne geht heute für dich unter, Chaz! Ich hoffe sehr, dass es nicht das letzte Licht dieser großartigen Band gewesen ist. Zu sagen, sie hätten mein Leben verändert, wäre übertrieben. Aber, sie haben es besser gemacht, an jedem Tag, wenn ich mich über meine Mitmenschen geärgert habe. Mein erster Liebeskummer wäre ohne Linkin Park einfach nicht derselbegewesen, ich sage nur Valentine’s Dayin between und die großartigen unbekannten Songs. She couldn’t – ein Song, den viele nicht kennen. Chester couldn’t stay here, you know, he had to go. You’re not alone.
Aber vor allem möchte ich eines sagen und das sehr laut: DANKE Chester. Du wirst nicht vergessen werden, jedenfalls nicht von mir und deinen vielen Fans.

In the End… it DID matter!

Bildergebnis für chester bennington



 

2 Kommentare zu „Und am Ende zählt es doch – ein Abschied: Chester Bennington. Von Hybrid Theory bis One more Light, ich sage Danke.

  1. Ich könnt heulen. Bin auch unglaublich traurig darüber… nicht nur, weil so viele Vorbilder sterben, sondern der Grund, weshalb sie sterben. Dass sie es selbst beenden. Das ist für mich so unfassbar… 😢 In Between war auch einer der ersten Songs, die ich mir damals angehört hatte. Danke für diesen Text. 🙂

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    1. So geht es mir auch, ich kann das noch gar nicht wirklich glauben dass er nie wieder auftreten wird… das ist doch verrückt, aber ich bin richtig traurig 🙁 ich fühle mit dir und allen, denen es auch so geht!

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