Über Kontinuität, das Internet und Datenarchäologie; Ich poste, also bin ich.

Warum ist Kontinuität wichtig? Es gibt so Menschen, die bereiten sich immer sehr exakt vor. Dann gibt es mich, ich tue das nicht. Ich nehme es gerne locker, diejenigen, die mich kennen, werden jetzt nur trocken nicken. Denn so wie es Menschen gibt, die immer einen penibel genauen Plan haben, was zu tun ist, gibt es im Leben Stolpersteine. Zum Beispiel Transitionen. Was ist das? Das sind Übergänge, von einem Lebensabschnitt in einen neuen. In der Kindheit hat man davon ganz viele, Kindergarten, Schule, weiterführende Schule und das große ungewisse Nichts. Ausbildung oder Studium? Man macht sich da (zumindest in meinem Fall) nicht so den Kopf, wenn man noch jung ist. Ich fand diese Menschen schon immer inspirierend, die alles planen und genau wissen. Solche Menschen haben auf alles eine Antwort, es gibt nichts, was nicht mit einkalkuliert wurde. Wie gesagt, bei mir ist das ein wenig anders, ich mag es nun mal gerne chaotisch. Ich brauche den Druck, sonst funktioniert das nicht. Viele sagen, da sei auch nichts dabei. Wenn man einfach so damit durch kommt, was soll’s.

Einfach so ist es aber nicht, es ist ganz schön viel Arbeit, immer alles aufzuschieben. Es sitzt dir nämlich im Genick, ob du es zugeben willst, oder nicht. Das ist auch eine Form von Kontinuität. Wenn ich die Deadline nicht einhalte, wundert es eigentlich niemanden, denn das wurde erwartet. Erwartungen führen zu Ausnahmen, Ausnahmen zur Regel und die wiederum führt dich in die Kontinuität. Und die ist wichtig. Veränderungen im Alltag fallen einem gar nicht so sehr auf. Ich schreibe und zur Zeit auch ganz schön viel. Vielleicht, um Ordnung in meine Gedanken bringen. Aktuell sind es fünf Projekte und es werden immer mehr. Ich sehe da selbst kein Ende, aber es überrascht mich, dass das ausgerechnet jetzt kommt.
Angefangen hat das im November, ich fühlte, dass die Zeit für mich gekommen war. Das wird mein Jahr, dachte ich. Abschlussprüfungen und der beruflichen Selbstständigkeit endlich einen Schritt näher kommen. Super, mir hat es den Magen herum gedreht, als ich bemerkt habe, dass die Zeit unfassbar gerannt ist. Trotzdem habe ich es geschafft, mit kaum viel Aufwand mit einem „sehr gut“ in der Tasche dieses Gebäude zu verlassen. Aber das war nur dank sehr viel Kreativität und einem sehr langen Geduldsfaden möglich, wirklich. Die Zeit reicht, denke ich. Dann werde ich wieder eines besseren belehrt. Ein Monat ist nämlich gar nichts. Es sei denn, du hast frei. Mach das Experiment selbst, nimm dir einen Monat am Stück frei.

Es wird das Ineffektivste gewesen sein, was du je gemacht haben wirst. Immer morgen. Morgen. Morgen mache ich das. Nein wirst du nicht. Es ist eine Schande, dass die Zeit so schnell vergeht, je kontinuierlicher alles ist, desto schneller vergeht es. Ich wollte wissen, warum das so ist. Ja, es gibt eine Erklärung dafür. Und zwar ist es nämlich so, dass mit den Aufgaben der Selbstverantwortung auch der ermüdende Alltag Einzug erhält. In der Kindheit passiert jeden Tag etwas Neues und Spannendes. Man kann sagen, dass die Zeit, in der man die meisten Eindrücke in der Welt sammelt auch die Zeit ist, die am Langsamsten vergeht. Stillstand im Alltag bedeutet demnach, dass die Zeit (jedenfalls gefühlt) schneller rast. Es gibt keine ersten Male mehr. Das Gehirn speichert diese sehr einprägsamen Erlebnisse ab, je emotional involvierter wir sind, desto tiefer der Eindruck, der sich für immer in dein Gehirn einprägt. Das ist dann ein Meilenstein, an den wirst du dich erinnern. Ob du willst oder nicht. Das war doch erst gestern. Nein, es ist zwei Jahre her, fühlt sich aber so an. Unglaublich. Einstein hatte also Recht, Zeit ist verdammt relativ. Im Alter hat man dann wieder die Zeit, für die ersten Male. Endlich eine Weltreise machen. Aber wollen wir wirklich so lange warten? Ich weiß nicht, ob wir das können, sicher sagen, kann es nämlich niemand, was in zehn Jahren sein wird. Das ist heutzutage auch einfach anders, als noch in den Fünfzigern. Da gab es das noch, Kontinuität. Das war eben so, das wird auch immer so sein. Falsch. Stillstand bedeutet auch, dass eine Entwicklung stagniert.

Ich finde es erstaunlich, wie viele Menschen über die Generation Head Down schimpfen. Die Smombies. Alle schauen sie nur auf ihr Smartphone. Meine lieben Freunde, vor hundert Jahren hatten nur die Reichen ein Auto. Heute ist das anders, keiner schimpft. Dinge passieren, ich finde diese Entwicklung großartig. Der Wert der harten Arbeit hat früher deinen Status definiert. Schuster, bleib bei deinen Leisten, lautete die Devise. Heute ist es eben Kreativität, die uns vorwärts bringt, das ist doch fantastisch, oder nicht? Schaut euch diese Start-Up-Milliardäre doch mal an. Ich sage, Chapeau. Danke Instragram, danke auch Facebook und Youtube. Das ist es doch, das ultimative Recht auf Freiheit. Ich poste, also bin ich. Das ist nicht Schlechtes, nur weil es neu ist. Wir sollten das eben viel häufiger thematisieren. Medienpädagogik. Sinnvoll, oder nicht? Im pädagogischen Alltag trifft man da auf zwei Meinungen. Man ist dafür, oder dagegen. Das klassische Bilderbuch, das ist das Sprachrohr, das ist Medium genug. Wegen mir, dieser Meinung darf man gerne sein. Aber das Smartphone mit pädagogisch eher halbgaren Inhalten und Apps als Unterhaltungsprogramm zum Einsatz zu bringen, um seine Ruhe vor seinem Kind zu haben, ist dann auch irgendwo eine falsch verstandene Handhabe als Bildungsinstrument.

Ja, das gibt es. Es gibt leider nichts, dass es nicht gibt. Deswegen auch fünf Projekte. Man, ist das Spannend, was man da erlebt. Es gibt da wirklich tolle Sachen, mit den Medien, und Länder wie Schweden und Norwegen machen das auch gut vor: Medienpädagogik im Alltag. Warum denn auch nicht? Dieses Medium ist derart gewaltig, bietet unfassbar große Chancen, aber birgt eben auch Risiken. Thematisieren, nicht verteufeln. Das ist auch Kontinuität. Es ist normal, das gehört dazu. Warum dann diesen Kulturträger – und ja, es ist ein Kulturträger, es wird in hundert Jahren Datenarchäologie geben, da bin ich mir ziemlich sicher – nicht so benutzen, wie er auch gemeint war. Als Informationsträger.

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