Ich hasse, also bin ich! Wie simpel ist Glück?

Es ist wieder so weit, es ist Sommer. Und woran erkennt man das? Ganz genau, nämlich daran, dass sich wieder jeder beschwert. Erst war es zu kalt, nun ist es zu warm. Ich glaube, heutzutage definieren sich die Leute lieber über das, was sie hassen. Es gibt auch eine Dating-App, basierend auf dem, was man nicht leiden kann. Das wären doch mal Themen für ein erstes Date, wo man gemeinsam schimpfen kann, wie die Rohrspatzen.

Warum auch eigentlich nicht, Feindschaften sind doch die Beziehungen, in die man seine meiste Liebe steckt. Es gibt Menschen, die kontinuierlich und ambitioniert darum bestrebt sind, einen Weg zu finden, es einem irgendwann, in einem passenden Moment heimzuzahlen. Ich fürchte und verehre diese Leute wirklich sehr. Apropos kontinuierliche Ambitionen.

Ich habe es schließlich fertig gebracht, meinen Abschluss zu machen, aber die Bewunderung gilt nicht alleine mir, sondern auch all denen, die mich all die Jahre über ertragen haben. Der Weg war bestimmt kein leichter, denn mein Berufsfeld ist auch bestimmt kein Leichtes. Für alle, die es nicht wissen, ich bin Erzieherin und nein, man sagt heutzutage nicht mehr Basteltante.

Man könnte vielleicht den Eindruck gewinnen, es wäre so, aber es steckt viel mehr dahinter, als man glauben mag. Ich würde generell jedem zumindest ein wenig soziologisches und psychologisches Grundlagenwissen empfehlen, wenn man in der Welt gut zurecht kommen möchte. Denn, wer eine Gruppe brüllender, tobender, tauber und dickköpfiger Kinder im Griff hat, dem sollte doch eigentlich die Welt zu Füßen liegen?

Aber dem ist nicht so, denn ich bin ein Meister darin, die Dinge zwar meistens kommen zu sehen, sehe mich aber außer Stande, sie zu verhindern. Ich weiß, dass es vielen da draußen so geht, die sich gefangen sehen zwischen dem grenzenlosen Willen und der absoluten Ohnmacht gegenüber sich selbst. Das Schlüsselwort heißt hier übrigens Selbstwirksamkeit.

Also, das Wissen darum, dass ich mit meinem Handeln etwas erreiche, mich selbst befähige, weiter zu kommen. Wer kennt das nicht, ein Blick auf den Kalender und man stellt fest, dass schon wieder ein Jahr vergangen ist. All die Dinge, die man nach hinten verschoben hat, sind auf einmal nur noch in weiter Ferne zu sehen. Ich besuche dich dieses Jahr noch. Ich fange in drei Wochen an mit lernen. Doch dann sind sie um, diese drei Wochen, man macht die Augen auf muss erkennen, dass es kein MORGEN mehr gibt, an dem man diese Dinge ganz bestimmt tun wird. Denn, dieser Tag ist heute.

Und warum soll er auch nicht der Beste deines Lebens werden? Mit Elan an die Sache heran gehen, diese Mediationsgurus in Talkshows und Interviews nicht mehr nur belächeln, sondern ihnen auch wirklich zuhören. Kann das heute wirklich der beste Tag meines Lebens sein? Nein, schließlich regnet es. Außerdem habe ich Termine, es ist ein Montag und ich würde viel lieber auf einer einsamen Karibikinsel leben, statt mich durch die Massen meiner schlecht gelaunten Mitmenschen zu walzen. Du sagst, mach doch einfach? Gerne, aber mein Konto sagt Nein. Und überhaupt, was ist das nur mit dem Geld? Wir können ganz sicher nicht mit, aber eben auch nicht ohne. Was können wir also tun, mit den begrenzten Möglichkeiten, an denen wir auch noch selbst Schuld haben?

Vielleicht wäre es an der Zeit, diesen „ich will alles und sofort“ Habitus abzulegen und die Überholspur zu verlassen. Meine Dozentin hat mich unlängst gefragt, was das mit uns jungen Leuten nur sei, dieser ambitionierte, verbissene Ehrgeiz, der uns da antreibt. Brauche ich das Diplom für meine Arbeit, oder steigert es nur meinen Selbstwert? Muss ich gleich fünf Bücher schreiben, oder reicht vielleicht erst mal eins? Bestimmt kennst du die Bücherserie „Conni“? Es würde mich nicht wundern, wenn demnächst ein „Conni hat Burnout“ erscheinen würde.

Ich meine, in Zeiten, wie diesen würde mich das wirklich nicht wundern. Jeder Vierte in Deutschland sieht sich sogar als Burnout-gefährdet an, mich mit eingeschlossen. Du auch? Nein? Dann bestimmt dein Kollege oder Partner. Die Statistik lügt nie. Conni hat aber auch viel erlebt, sie war Reiten, lernte das Lesen, hatte abenteuerliche Urlaube und hat ganz und gar Erstaunliches und Fantastisches gelernt. Genau wie die unzähligen „hochbegabten“ Kinder, die wir am Besten sofort fördern sollten. Lasst doch während des Aktes eine klassische, italienische Oper laufen, dann klappt das auch, mit der Zukunft durch Bildung. Aber da sieht man es mal wieder, ohne Fleiß kein Preis. Aber was ist denn der Preis?

Kann eigentlich irgendjemand da draußen die Ruhe bewahren, vor allem am Steuer? Schaut euch doch mal um, im Straßenverkehr. Da schlägt einem tagtäglich der pure Hass entgegen. Von wegen „one world, one love“, es sollte eher heißen „one fucked up world, one burning hate“. Ich hasse, also bin ich. Hass und Ehrgeiz im Herzen und die falschen Ziele, willkommen in Zeiten, wie diesen, liebe Freunde. Ich habe Anfang des Jahres den guten Tipp bekommen, von Tag zu Tag zu leben. Man muss dazu sagen, dass die Situation keine Einfache gewesen ist. Es gab das Studium, die Praxis und theoretische Abschlussprüfungen mit Themen, die sich gewaschen haben, hochkomplexe theoretische Ansätze der kognitiven Entwicklung, um nur einen Auszug zu nennen, Referate und dann hat man vielleicht noch ein Privatleben und so etwas wie Hobbys.

Sammelt eigentlich noch irgendjemand Briefmarken? Das ist doch schön, sich die Stunde zu nehmen, etwas mit Leidenschaft und Konzentration zu machen. Also lebte ich nach diesem Leitsatz, genauer gesagt, das habe ich schon immer gemacht. Das funktioniert auch ganz gut, abgesehen davon, dass plötzlich überraschend wieder ein Sommer vor der Tür steht.

Es gibt Vögel, die verstecken irgendwo auf der Welt Nüsse, als Vorrat für den Winter. Jahre können vergehen, aber sie finden ihr Versteck immer wieder. Dann gibt es Menschen wie mich, die ihren Schlüssel verlieren. Nicht einmal. Drei Mal in einem einzigen Jahr. Das war noch nicht einmal mein bestes Jahr, das muss ich an dieser Stelle, zu meiner größten Schande, klar hinzufügen. Aber diese Vögel haben diesen Urtrieb danach, denn sie wissen, sie würden verhungern, wenn sie sich keinen Vorrat anlegen. Doch was für ein Vorrat braucht der Mensch?

Ich denke, der Mensch braucht vor allem Hoffnung. Einen Sinn, einen Motor, der einen antreibt. Ich denke, das ist es, was Selbstwirksamkeit meint. Auch Julius Caesar hat das schon gewusst, denn er kam, sah und siegte. Denn er wusste, was er wollte. Aber ihr wisst ja, wie es mit ihm zu Ende gegangen ist. Man sollte sich eben keine unnötigen Feinde machen. Wie oft wolltest du schon einen Ort nicht aufsuchen, weil du dort vielleicht auf jemanden stoßen könntest, mit dem es noch eine offene Rechnung gibt? Das ist auf Dauer ziemlich anstrengend und schränkt einen zum Teil sehr massiv ein. Wir sind also keine freien Menschen, wenn wir hassen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Formel des Glücks aus drei einfachen Teilen besteht. Denke ruhig groß, arbeite umso härter, es zu erreichen, aber und vor allem dieses Aber möchte ich an dieser Stelle wirklich betonen, sei kein Arschloch. Genießt den Sommer und schenkt euren Mitmenschen ein Lächeln und damit die Hoffnung auf so etwas wie einen gesunden Ethos des Miteinanders, der glücklich macht.

 

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