Über Austauschstudenten, Vampire und Trunkenheit am Steuer – Deutschland im Novemberblues

Es heißt, in der Ruhe liegt die Kraft. Ruhig bleiben. Es ist nicht nur November, es ist immerhin auch Movember. Wo Männer mal echte Kerle sein dürfen: Bartwuchs statt Babyface! Doch dann holt die Realität einen schnell wieder ein, denn nicht bei jedem wächst es gleichmäßig und geschmeidig. Macht aber nichts, im Holzfällerhemd sehe sogar ich ein wenig maskulin aus. Kein Grund zur Verzweiflung aber, denn der November ist einer der ruhigsten Monate des Jahres. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, dem alljährlichen Weihnachtsterror, der uns wie immer kalt und kurz vor knapp erwischt. Denn wer kommt schon bei 20 Grad in Glühwein und Lebkuchen Laune? Niemand achtet auf die einladenen Waren der Kaufhäuser, wenn schon pünktlich im September die Weihnachtsabteilung festlich geschmückt wird. Wir blenden es aus und realisieren den Ernst der Lage erst, wenn in der Stadt überall affige Weihnachtsdeko hängt und es einem förmlich entgegen schreit: Bald weihnachtet es!!! Alarmstufe rot gilt dann, wenn die Läden anfangen, Weihnachtssterne zu verkaufen. Da kratzt man sich schon fragend am Kinn und starrt in den Kalender. Echt, jetzt schon? Sind doch noch… 4 Wochen?! Mist. Tief durchatmen, es sind noch zwei lange und schöne Wochen des Novembers übrig. Und während alles so schön ruhig und trostlos grau ist, kann man sich, anstatt den heißen Sommertagen und Nächten nachzuweinen, auf die legendären Weihnachtsmärkte freuen. Dieses Jahr garantiert mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen, für all jene, die sich wegen des Terrors sorgen. Ich muss sagen, da hat es doch sein Gutes auf dem Land zu leben. Niemand interessiert sich für mein Kaff, wahrscheinlich würde es keinem auffallen, sollte es dem Erdboden platt gemacht werden. Wir trotzdem dem Terror. Finde ich gut, warum auch nicht. Die Fußballfans fänden es schade, sollten noch mehr Spiele abgesagt werden, aber zum Lachen wird trotzdem niemand in den Keller gehen. Und mal ehrlich, wer schon einmal nach einem Dynamo Dresden Spiel mit den harten und vermummten Hooligans kollidiert ist, der fürchtet auch den Rest seines Lebens rein gar nichts mehr.

Zurück zum Glühwein. Den ignoriere ich als einzige vorweihnachtliche Giftschleuder nicht. Er passt einfach immer und wärmt das Herz von innen. Wer kennt das nicht, man flanniert so über den städtischen Weihnachtsmarkt und macht Halt am Glühweinstand. Nur einen, denkt man sich und das war dann auch der letzte vernünftige Gedanke des Abends. Morgens wacht man auf, mit einer neuen Freundin, ohne Hose und mit vielen neuen Freunden aus dem Ausland. Wenn es gut läuft. Wenn nicht, ist der Partner wieder tödlich beleidigt und auf Youtube kursieren seltsame Videos von dir, als Rentier verkleidet singend und kotzend durch den REWE. Oder Edeka. Ist auch egal. Vielleicht stellst du auch einfach nur unter Alkoholeinfluss fest, dass dein bester Freund ein Vampir ist. Wir alle haben so einen Freund, der immer übertreibt. Wir haben allerdings auch alle einen Freund, der ein Vampir ist. Zumindest ein Vambier. Keine Ahnung, was das ist? Ein Vambier scheut sich vor Tageslicht und ernährt sich in der Nacht ausschließlich von… Na was wohl? Bier.

Weihnachtsmarkt, Ende November. Das ist die eisige Antwort auf den Sommerausch, über den ich schon einmal berichtet habe. Legitim im Sommer: Leicht bekleidet Bier im Park schlürfend mit deinen Freunden. Das im regnerischen Spätherbst zu tun wäre doch tatsächlich seltsam. Da sitzt niemand betrunken in der Stadt. Deswegen gibt es ja den Weihnachtsmarkt und die Feiertage. An Weihnachten gibt es Krach, Zoff und Zunder.Warum? Eierpunsch, Sekt, Wein, Schnaps und Oma unter dem Weihnachtsbaum… Hach ja, Familie.

Neben den versoffenen Russen macht Deutschland mit seinem Verbrauch an Alkohol auch eine gute Figur an der Spitze der berauschten Länder. Und das spricht sich natürlich auch im Ausland herum. Es kamen schon unzählige Menschen wegen der urigen und traditionellen Biere, äh, Gebäude in unser schönes Land. In Amerika gibt es so etwas nämlich kaum. Da ist alles am Panorama recht neu, uninspiriert und einheitlich fade. Genau wie ihr Bier. Kein Wunder, dass zig tausende in das Bier Mekka pilgern. Und um dem Klischee der biertrinkenden, urigen und traditionellen Deutschen die Krone aufzusetzen, wird in München einmal jährlich das ultimative Fest der Feste gefeiert. Die Superlative des besoffenen Lederhosen und Dirndl Musikantenstadls: Das Oktoberfest. Es gab wahrhaftig schon Austauschstudenten, die wahnsinnig enttäuscht darüber waren, dass nicht alle Deutschen in dieser Kluft anzutreffen sind. Schlimmer noch, an ganz normalen Wochentagen sind die sogar alle ziemlich normal. Ich schicke die Austauschstudenten in die nächste Assi Kneipe und alle sind zufrieden. Okay, an dieser Stelle sollte ich wohl sagen: Alkohol ist schlecht. Natürlich ist er das, er macht dumm und verwandelt dich in das weinerliche kleine Kind und Biest, das du nun mal bist. Wer will es schon groß leugnen.

Allerdings sind in der Türkei vor kurzem zwei Schwestern groß raus gekommen, weil sie durch Trunkenheit am Steuer einen Unfall gebaut hatten. Statts sich reumütig zu zeigen, haben die hübschen Geschwister einen Streit und Prügelei mit der Polizei angezettelt und sind über Nacht durch Youtube zu echten türkischen Sternchen geworden. Es wurde verlautet: Der türkische Widerstand hat zwei wunderschöne  Gesichter. Gezeigt wurden zwei halb nackte blonde Frauen. Ja, endlich können alle unterdrückten Frauen dieser Welt hoffnungsvoll aufblicken. Die Tyrannei hat nun ein Ende! Busen für die Freiheit und Nippel für den Glamour. Und warum? Alkohol. In der Ruhe liegt die Kraft und die Natur geht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wasser fließt nicht bergauf, es fließt bergab. Das ist ein Naturgesetz. Wenn nun etwas den Bach herunter geht, dann ist das nur natürlich. Was soll die Scham?

Also liebe Freunde, raus aus dem Novemberblues! Ihr könnt alles schaffen und keinen Plan zu haben ist auch ein Plan. Man muss nur wissen wie es geht. Um es mit den Worten von Sheila La Bouef abzuschließen: Just do it.

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