Die Hinterlassenschaften der Mittdreißger: Ein Partyguide für Anfänger

Irgendwann einmal auf einer Party. Eine wahre Begebenheit und das echte Statement einer ganzen Generation.

Stumm im Niemandsland, eine unbekannter Figur zwischen alten und neuen Freundschaften, Liebeleien und unscheinbaren Bekannten im Zigarettenrauch fremder Menschen zu stehen ist  das ultimative Erlebnis, das sich jeder einmal in seinem Leben reinziehen sollte. Es heißt ja, nichts geht über neue Bekanntschaften und vielen Menschen fällt es leicht, an Neuem anzuknüpfen. Mir nicht so ganz. Es kommt jedenfalls ganz auf den Typus Mensch an, der mir da gegenüber sitzt, steht, baggert, kotzt und Unsinn lallt. Auf Partys völlig legitim, im echten Leben irgendwie nur sonntags ganz in der Frühe auf dem Heimweg einer weiteren Feierei. Herrlich, diese jungen Jahre. Doch es kommt eines Tages der Punkt, da wirft man seine guten Ausgeh-Klamotten in die Ecke und da hohe Schuhe sowieso nichts für Anfänger sind, bleiben auch die im Schrank. Das Freitagabendritual in Form von Disko und Clubs weicht dann einem viel höheren Verständnis von zivilisierten Beisammensein unter Alkoholeinfluss. Nein, nicht Hauspartys. An Hauspartys ist keinesfalls etwas Zivilisiertes, es gibt immer einen, der zerstört dein oder das Eigentum deiner Eltern, irgendwer wird immer auf dem Klo einschlafen und ganz bestimmt kotzt auch diesmal wieder einer deiner Freunde in die Wohnung. Oder wird im Garten ohnmächtig. Denn das ist das Wesen der Hausparty: Zerstörung, Zerstörung… und… Zerstörung! Es ist ja nicht dein Haus und wen schert es, wenn du nicht einmal eingeladen bist. Nein, ich meine die erwachsenere Form von einer Hausparty, die zumeist an einem Samstagabend stattfindet. Warum? Weil viele Erwachsene Samstagmorgen arbeiten müssen, die, die es nicht tun, machen es sich Zuhause gemütlich, oder lasses es in der Stammkneipe rocken. Ja, man hat eine Stammkneipe. Und nein, langweilig wird es dort niemals. Dann ist es samstags, man geht einkaufen, denn es werden Häppchen anstatt Chips und Likör serviert und wenn man ganz viel Glück hat, schafft man es, sich zum Essen einladen zu lassen. Gespräche kreisen um den Beruf… Oder es gibt Partyspiele für Erwachsene. Ja, googlet es doch mal. Einmal gab es für jeden am Tisch eine ausführliche Fassung über Planzentas, Kaiser- und Dammschnitt einer angehenden Gynäkologin, was verdammt anregend war. Passte gut zu den Pilzen, fand ich. Überhaupt, der ganze Abend war recht passend gestaltet. Im Anschluss gibt es etwas zu trinken und schon als Kind empfand ich, dies sei der Moment, ins Bett zu gehen. Nicht, wegen dem Alkohol, Gott nein. Wegen den Gesprächen. Ich weiß nicht genau, ab welchem Punkt manche Menschen zu Schnarchnasen werden, pünktlich zu ihrem 30. Geburtstag? Kommt dann die Anti-Spaß Fee nachts: „So, dein Leben dreht sich von nun an nur noch um deinen Beruf. Du musst Karriere machen und selbst wenn nicht, musst du jedem erzählen, dies sei dein oberstes Gebot! Ehrlich, nerv jeden gründlich und mach dir endlich einen Plan!“ Es gibt erwachsene Menschen, die können nicht einmal einen Busfahrplan lesen. Und dann soll man sich Gedanken um den Lebensplan machen? Ohje.

Dann gibt es noch die Sorte Zusammenkunft, da geht es nur um das Trinken (dies ist getarnt als irgendein besonderer Anlass). In lauschiger Atmosphäre wird gleich Schnaps gereicht und das Geplänkel über Statussymbole, übrige Urlaubstage und Urlaubsfotos von der tollen und gemeinsam gemieteten Hütte fallen weg. Man geht gleich in den Alltag über. Was einen so ankotzt, wer neuerdings mit wem… Ein bisschen wie Schulhof Gespräche, damals, in der 7. Klasse. Nur erwachsen und betrunken. Es gibt immer einen Punkt, da merkt man, dass vieles, was manche als ach soooo erwachsen vorgeben doch nur eine Fasade ist. Gib jedem Erwachsenen da draußen genug Stoff, egal welchen und irgendwann sitzen alle auf der Treppe draußen, wo es still ist und weinen sich bei irgendwem aus. Na gut, vielleicht nicht bei jedem. Es soll, das ist allerdings nur ein Mythos, Menschen da draußen geben, die sind absolut glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Wie das geht? Keine Ahnung. Ich meine diese rund um die Uhr Sonnenscheinchen. Damit muss man sich eben abfinden, es gibt Leute, denen fliegt alles zu. Aber auch die Fliegen auf die Fresse. Wartet es nur ab, das ist fester Bestandteil des Erwachsenenlebens. Früher oder später und das ist Gesetz, da geht alles schief. Damit sich der Blickwinkel einmal ändert. Wäre ja sonst öde, hm?

Blickwinkel. Darum ging es an besagter Feierei auch. Nicht die „Zerstörungswut“ oder „Drogen“- Feierei. Erwachsene sitzen in einer Wohnung und philosaufieren. Was, ihr kennt dieses Wort nicht? Philosophieren unter Alkoholeinfluss, selbst meine Oma kennt das. Es wurden irgendwelche Zufallsbilder (oder wie es hieß „Random-Pics“) aufgenommen. Die Motive waren unter anderem volle Aschenbecher, die Brüste irgendeiner Exfreundin, jemand hat sogar sein Geschäft auf dem Klo bildlich verewigt. Bilder von Schnaps, Zigarettenrauch und Schallplatten. Das unterscheidet sich im Wesentlichen maßgeblich im folgenden Punkt von „Jugendstil“-Partys. Anstatt Selfies voneinander und miteinander und alle zusammen weichen den Gesichtern irgendwann Dinge. Die Hinterlassenschaften der Endzwanziger und Mittdreißiger. Man muss nicht zwangsläufig nur seine Gesichter instagrammen. Die Dinge, die den Abend zu dem Kater am Sonntagmorgen gemacht haben, sind die nicht sowieso spannender? Sieben Bier, zuviel geraucht, das ist es was ein Mensch so braucht? Natürlich gibt es auch auf solchen Partys immer jene, die Übertreiben, Kotzen und Einschlafen, in dem Alter hat man nur den Anstand, es woanders, als auf besagter Party zu tun.

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