Interesse, oder die Tragödie in uns selbst

Wir alle kennen es. Die Momente, die uns den Schlaf oder den letzten Nerv rauben. Die Dinge, die uns den Verstand rauben, oder die, die uns die Sprache verschlagen. Dinge, die uns an unsere Grenzen bringen und uns zerstören können. Von innen nach außen, wie ein Gift, hinterhältig und tückisch. Emotionale Wunden können unsere Stärke in uns hervorrufen, oder unsere Größen Ängste wahr werden lassen. Und ich meine die richtig tiefen, seelischen Wunden, die uns weinen lassen wie nie zuvor. Uns hassen lassen, wie nie gedacht. Selbsthass oder Soziopathie zum Vorschein bringen. Lange überwundene Schwächen wieder auflodern lassen, oder neue Laster können in unser Leben treten.

Ich denke oft an meine unbeschwerte Kindheit zurück. Goldene Felder bestickt mit Weizen und Beeren, so weit das Auge reicht. Regnerische Tage empfand ich als lästig, heute schätze ich die Ruhe, die in ihnen wohnt. Jede Jahreszeit war ein willkommener Schatz, nicht wie heute ein Mahnmal an verganenen Tagen: Dir rennt die Zeit davon. Dass die besten Tage vorüber sind, das weiß ich. Zumindest wird einem das immer wieder gesagt. Ist das aber wirklich so?

Ich freue mich zwar nicht mehr so über Kleinigkeiten, dafür enttäuschen mich viele Dinge nicht mehr so schwer. Und jene, die es tun, treffen tief. Es heißt, im Kindesalter werden alle Voraussetzungen gebildet, wie einen durch das Erwachsenenalter hindurch begleiten. Die Guten, so wie die Schlechten. Und doch gibt es Dinge, die einen erst später treffen: Tod, Verlust und Versagen. Als Kind hat man es leichter, Versagen war ein Ansporn es besser zu machen. Wenn man groß ist, ist es nur eine weitere Kerbe des Scheiterns. Und das Feld des Scheiterns ist riesig. All die kleinen emotionalen Risse, die wir gelernt haben, so gut weg zu stecken und vor der Umwelt zu verbergen, reißen eines Tages auf und zeigen uns, wie hässlich unser Innerstes wirklich ist. Manchmal möchte ich davon rennen, doch es holt einen doch ein. Dann möchte ich davon berichten, wissentlich, dass jeder seinen Schmerz in sich trägt. Ich möchte schreien, doch die Angst vor der Stille macht mich wahnsinnig. Was, wenn die Antwort ausbleibt? Wir möchten sie so gerne hören, doch letztendlich können wir nur mutmaßen, was unser Gegenüber tatsächlich zu sagen hat. Ist die Welt denn schlecht?

Wahrscheinlich mangelt es zur Genüge an leuchtenden Beispielen, die voller Stolz voran gehen. Und selbst dann interessiert es uns nicht. Denn Interesse kommt aus dem lateinischen und bedeutet: Dabei sein. Wir sind nicht dabei, zumindest nicht bei anderen. Wir lachen über sie, urteilen, oder fiebern in Reality Shows mit Leuten mit,  aber dabei sind wir nicht wirklich. Wir sind manchmal nicht einmal ganz bei sich selbst. Was für eine Tragödie.

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