Amsterdam: Warum Jesus auf Rave steht

Über 3 Tage Traum von Amsterdam: Kultur, Fahrräder, Rauchverbot in Coffeshops und magische Pilze

Wer kennst das nicht, man plant liebevoll eine Reise oder lässt sie so planlos von anderen planen, dass es zum Plan wird, einen Plan zu bekommen. In meinem Fall waren es die Anderen, die durchaus Pläne hatten, aber zu viele Köche verderben den Brei. Oder so rum: Zu viel Plan verwirft den Plan. Aber wie die Pädagogen so schön sagen: Wer exakt plant, irrt genauer.

So kam es, dass unser Reiseziel Amsterdam werden sollte und jeder, der bereits mit einer größeren Gruppe länger als die angemessene Zeit unterwegs war, wird mir zustimmen, dass es mir schon vorher zuwider war. Man lässt sich treiben von den Ideen und Vorschlägen anderer, um sie am Ende dann doch bescheuert zu finden. Ich hatte keine Ahnung von den Niederlanden, alles was ich wusste, war auch alles was ich wollte: Coffeshops. Und da es dort legal ist, darf ich getrost darüber schreiben. Und eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, dass der Verkauf an nicht Einheimische per Gesetz untersagt sei. Das ist allerdings nicht so, was ich auf dem Weg nach Amsterdam erfahren habe. Eine gute Idee war es, sich die Hinfahrt mit Alkohol erträglich zu machen. Jedenfalls in dem Sinne, dass man wenigstens schlafen konnte oder völlig ausgeknipst war. Eine schlechte Idee war es dann doch, denn irgendwann endet die wilde Fahrt und während alle anderen scheinbar Schnaps doch besser vertragen können, als man selbst, steht man in der grellen Sonne einer fremden und schrecklich lauten Stadt und sucht verzweifelt und völlig ausgehungert nach einem McDonald’s. Ich dachte „okay, was soll’s, lass uns Spaß haben“ und folgte der Menge, die so übertrieben gut gelaunt waren, wie Touristen es zu Beginn nur sein können. Natürlich muss man sich auch verhalten wie ein Tourist und es ist erschreckend, wie viele Menschen einen Selfie-Stick haben und tatsächlich benutzen. Wo bewahren ihn die Männer eigentlich auf? Denn in der unauffällig neongrünen Bauchtasche hat es keinen Platz mehr. Ob mit oder ohne Selfie-Stick, jeder vermeintlich coole Scheiß muss fotografiert, bearbeitet und online gestellt werden. Sofort und auf der Stelle. Das führt dazu, dass man viel Zeit hat, sich jedes wirklich wunderschöne Gebäude einzeln anzuschauen. Denn man kommt ja kaum vorwärts. Und Amsterdam ist wirklich bezaubernd, überhaupt ist Holland so gepflegt, detailverliebt, verspielt und akkurat, dass Word Disney noch etwas lernen kann. Man schämt sich fast für die Baracken, aus denen man gekommen ist, nur um diese Meisterwerke zu bestaunen. Und wirklich, Amsterdam hat im Gegensatz zu Rotterdam den Krieg unbeschadet überstanden, deswegen wirkt es auch nicht so übertrieben gepimpt und aufgedreht, wie viele Großstände, die man kennt. Und die sehen ja irgendwie alle gleich aus, aus dem Boden gestampft wie ein Mahnmal, das uns daran erinnert, wonach man streben muss. Und während euch das klar wird, lasst euch nicht von den Millionen Fahrrädern überfahren, die in dieser Stadt die wahre Gefahr auf den Straßen sind!

Wer also den malerischen Charme einer verspielten Kleinstadtidylle sehen und den Vibe von Berlin spüren will, der sollte noch heute seine Sachen packen. Und nie wieder kommen. Ehrlich, Amsterdam ist so verdammt cool. Nicht so arrogant und über die Maßen überzogen, aber ehrlich und am Boden geblieben. Gönnt euch eine Grachtenfahrt auf den Kanälen und bestaunt dieses Kunstwerk selbst, zu erstaunlich erschwinglichen Preisen. Erschwinglich hingegen nicht ist die Verpflegung. 7,20 für eine Cola light im Restaurant, ernsthaft? Klar, Touristenhochburg, aber das ist heftig, vor allem für den kleinen Geldbeutel, der schon an die Coffeshops dieser Stadt versprochen wurde. Und wer denkt, er kann sich im Hostel für den Tag die Brötchen schmieren, irrt: Auch da wird pro Brötchen abkassiert, wenn ihr im Begriff seid, es in eure Taschen zu schieben. Dafür ist das Fastfood in den großen Ketten günstiger und wen wundert es auch, dass diese herrlich duftenden Geschäfte mit ihrem ausladenden Waren wie belgische Waffeln und Crêpes zu einem stolzen Preis direkt neben den sagenumwobenen Coffeshops liegen. Das ist nicht nur fies, das ist taktisch verflixt klug. Wer auf Diät ist, sollte sein Gras mit ins Hostel nehmen. Solltet ihr in den vielen Bars diese einladende Gastfreundschaftlichkeit genießen, die damit wirbt, dass man drinnen gemütlich sein eigenes Kraut rauchen kann sollte allerdings wissen, dass dort Tabakrauchverbot herrscht. Zum Schutz der Nichtraucher, versteht sich. Es gibt einen nikotinfreien Tabakersatz, der wie Hasenstreu riecht und auch so schmeckt. Manche mögen Angst vor dem Hollandgras haben, aber das kann ich getrost entschärfen. Man kann sich kompetent beraten lassen, allerdings sollte man vorsichtig sein bei Geschäften, aus denen Drum und Bass schallt und deren Inhalt das eigene Vorhaben wahrlich heraus schreit, mit blinkenden Lichtern und schrillen Sonnenbrillen. Und kauft auch dort keine Kekse, die sind zwar lecker, aber außer Kalorien enthalten sie nichts außer dem Schamgefühl, abgezockt worden zu sein. Versucht euer Glück lieber in unauffälligeren Geschäften, aber nicht zu dicht an Haupstraßen, diese sind spürbar teurer.

Wer neben dem angenehmen und freundlichen Gras einen anderen Rausch sucht, sollte sich im Folgenden ein paar Tipps zu Herzen nehmen. Die Rede ist von den magischen Pilzen, die angeblich die Persönlichkeit verändern können.

  1. Lasst euch unbedingt beraten und kauft nicht das Erste, was ihr findet:

Es gibt zahlreiche Sorten in drei Stufen, schwach, mittel und stark. Es spricht nicht unbedingt für den Laden, wenn man euch zu dem starken Zeug keine Beratung anbietet und nehmt diese unbedingt wahr. Man kann auch verschiedenen Rauscheffekten wählen und wer noch nie Erfahrung mit psychedelischen Drogen hatte, sollte auf Visuals unbedingt verzichten.

  1. Sucht euch die Leute, mit denen ihr diese Erfahrung machen wollt sorgfältig aus:

Es gibt Leute, mit denen geht man nicht gerne einen trinken, weil diese Leute es einfach übertreiben. Dieses Prinzip gilt auch hier. Gut wäre es, wenn eine Person in Reichweite ist, die nüchtern ist und im besten Fall erfahren ist.

  1. Überlegt euch, wann und wo ihr anfangen wollt:

Der Effekt ist bereits nach ein paar Minuten schwach zu spüren und wird nach einer Stunde die volle Wirkung entfalten. Ein gutes Setting ist eine gute Voraussetzung für einen guten Trip.

  1. Pilze schmecken ekelhaft:

Ihr habt Champignoncremesuppe erwartet? Fehlanzeige. Das Zeug schmeckt wie des Teufels Großmutter riecht, einfach nur grauenvoll. Wenn ihr es einfach nur herunter schluckt, wirkt es deutlich später. Danach wird der Geschmackssinn sich verändern, ob zum Guten oder nicht, wird sich zeigen. Meistens schmeckt danach alles salzig.

  1. Mischkonsum solltet ihr wirklich vermeiden:

Es wirkt nicht? Das glaubst du nur, also Finger weg vom Joint und vom Bier! Der Verkäufer sagte, man könnte verrückt werden und das ist auch wahr.

  1. Es könnte passieren, dass dir gnadenlos schlecht wird:

Das sollte man vorher wissen, denn wenn nicht, kann man leicht in Panik geraten. Nach einer Stunde ungefähr wird dieses Gefühl verschwunden sein. Unmittelbar vor dem Trip zu Essen empfiehlt sich daher nicht. Man sollte auch darauf achten, dass man viel Wasser trinkt.

  1. Da es sich um bewusstseinserweiternde Drogen handelt:

Dein Zeitgefühl verschwindet völlig. Versuche erst gar nicht, herauszufinden, wie spät es ist. Es wird dich nur verwirren und alle anderen auch. Auch die Gespräche werden für Außenstehende absurd wirken, also mach dir nicht die Mühe, ihnen den Nonsens deines Rausches zu vermitteln.

  1. Wenn es aus dem Ruder läuft:

Wechselt das Setting, die Musik oder ganz einfach das Gesprächsthema. Es hilft auch, etwas zu Essen, wenn es zu heftig wird, da Essen den Rausch etwas dämpft. Hier empfiehlt sich Punkt 2, sollte es gewaltig schief gehen.

Beim ersten Versuch war es sehr angenehm, sogar echt fantastisch. Wir hatten viel Spaß, es war wie in einem dieser Filme, in denen die Sonne scheint und alle lachen, was uns zu der Annahme verleitete, den Abend zu wiederholen, diesmal mit einer höheren Dosis. Auch das war wiederum sehr erfolgreich nur dieses Mal hatte ich richtige Halluzinogene erwischt. Es im Nachhinein zu beschreiben ist schwierig, es war einfach ein richtiger Trip und als es allmählich dunkel wurde, hatte sich die volle Wirkung entfaltet. Es wurde einfach nicht richtig dunkel, im Gegenteil, irgendwie ging die Sonne auf. Alles hatte einen leichten Grünstich und es war auch alles gut, bis wir dann doch zum Joint griffen. Wie gesagt, Mischkonsum unbedingt vermeiden. Diesmal war es dann doch eher wie Fear and Loathing in Las Vegas und irgendwie balanciert man auf so einer Substanz ja immer am Abgrund des Irrsinns. Und doch ist es wie eine gewohnte Wiederholung aller Räusche, die man bis Dato erlebt hat. Eine Parallelwelt, in die man schreitet, wenn man sich auf so etwas einlässt. Dasselbe gilt auch für LSD und ähnliches.

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Aber warum nun steht Jesus auf Rave? Das schien wohl das Motto zu sein, welches auf T-Shirts, Mützen, Basekaps, Schals und sogar auf Bongs und sonstigen Rauchutensilien in grellen Lettern geschrieben steht. Es wirkt wie eine Provokation an die Gesellschaft, in der sich Religion und Kultur treffen und zu einem neonfarbenen Schmelztiegel werden. Denn wo sonst sieht man bereits Nachmittags eng umschlungene Pärchen, die sich einen Joint teilen und hinter dem Selfie-Stick fröhlich kichern, während hinter ihnen eine Gruppe junger Männer inmitten eines üblen Trips nicht wissen, wohin sie laufen sollen. Wo sonst haben sonst so anständige Menschen wie du und ich ausgelassen Freude am Reiz des Verbotenen- und das alles vor der atemberaubend schönen Kulisse von Amsterdam?

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